Evolutionsmedizin

Besonders interessant bei diesem Fachgebiet sind die Aspekte und Begründungen, dass der Mensch in einem Zeitraum von vielen Generationen oftmals aus Überlebensgründen gezwungen war ständig in Bewegung zu sein und lange Strecken absolvieren musste. Und das trotz langanhaltender Nahrungsknappheit. Dadurch haben sich nach und nach hochleistungsfähige Organsysteme entwickelt.

Auch das enorme Potenzial, in welch hohem Maße wir Menschen fähig sind unsere Körpertemperatur trotz großer unterschiedlicher Witterungsverhältnisse zu regulieren, ist eine Topvoraussetzung hinsichtlich unseres herausragenden Potenzials Ausdauerleistung zu vollbringen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, auf welche Art und Weise diese enorme Ausdauerfähigkeit, die in uns schlummert, wieder Schritt für Schritt zu reaktivieren ist, im Sinne einer verbesserten Leistungsfähigkeit und daraus richtig abgeleitet für eine präventive Gesunderhaltung.

Desweiteren sind in diesem Zusammenhang Überlegungen in Bezug auf den Überlebensdruck der gleich frühmorgens für unsere Vorfahren bestand, sodass gerade zu Tagesbeginn unsere Körperfunktionen sofort sehr leistungsfähig sein mussten, anzustellen. (Stichwort Chronobiologie)

In jüngster Zeit hat sich der neue Zweig der Evolutionsmedizin mehr und mehr etabliert (z.B. als Hauptthema beim 1. Weltgesundheitsgipfel anlässlich des 300jährigen Jubiläums der Berliner Charité). Auch hier geht es um die Frage, warum Bewegung und ihre Heilwirkungen dem menschlichen Organismus so gut tun und die Leistungsfähigkeit der Organe sich rapide verbessern kann. Auf der anderen Seite aber aufgrund eines Bewegungsmangels ebenso schnell ernsthafte Krankheiten entstehen (siehe Diabetes II, Herz-Kreislauf-Erkrankungen usw.), weil unsere Körpersysteme aufgrund unserer menschlichen Entwicklung nicht auf Bewegungsmangel vorbereitet sind.

Konsequenzen für das Training

Aufgrund des intensiven Trainings für Athen und der gleichzeitigen Beschäftigung mit den angesprochenen positiven Aspekten der Evolutionsmedizin, versuche ich in meinem Fall weitere versteckte Leistungspotenziale zu identifizieren und sofort im Training auszuprobieren.

Dazu gehören konkret: Spezielle Atemtechniken (z.B.: intensives, abgestimmtes Atmen vor einer vorhersehbaren Belastung, wie etwa Bergsteigen, sowie die koordinierte Gestaltung der Energierhythmen zwischen Belastung und Regeneration.

Schlussfolgerung

Als Konsequenz meiner persönlichen Beschäftigung mit dem Themenbereich Evolutionsmedizin (menschliches Thermoregulationssystem, der Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems, der Regenerationsmöglichkeiten der Muskulatur) und dabei der Gestaltung von ernährungsrelevanten Aspekten, führte ich alle 14 Tage diese folgende Trainingsvariante durch:

  1. abends zwischen 22:00 und 24:00 Uhr: Lauf zwischen 17 und 23 km auf schwerer Strecke mit verschiedenen Temposteigerungen (mit schweren Anoraks)
  2. danach kurzes vorbereitetes Eintauchen (5+ Sekunden) im Breitenauer See (7-15 °C)
  3. Während des Nachtschlafes hat meine Thermoregulation die Aufgabe die normale Körpertemperatur wieder herzustellen.
  4. dann um 5:00 Uhr wieder nur mit Flüssigkeitszufuhr, ohne Nahrungsaufnahme einen schweren zügigen 1/2 Marathon mit schweren Anoraks durchführen
  5. wieder ein kurzes Eintauchen im Breitenauer See
  6. mein Thermoregulationssystem ist danach gefordert, parallel zur Alltagsbeschäftigung wieder Normaltemperatur herzustellen (zusätzlicher aktiver Prozess)

Fazit dieser Trainingseinheit

Trotz der vielen schnellen Kilometer und der kurzen Nachtruhe war die Beinmuskulatur am Morgen und auch sonstige Vitalität optimal. (z.T. sicherlich durch die thermoregulativen Reize) Gerade diese Trainingseinheit könnte hinsichtlich der Stabilisierung der allgemeinen Vitalität und Leistungsfähigkeit und zur Verbesserung der muskulären Regeneration eine Schlüsselstellung für die Anforderungen hinsichtlich des Athenlaufes einnehmen.

Anforderungen

  1. Gerade die neuen Möglichkeiten der muskulären Regenerationsfähigkeit sind für den Athenlauf ein zentraler Erfolgsfaktor, da nur nach kurzer Nachtruhe frühmorgens wieder enorme Kilometerleistungen absolviert werden müssen.
  2. Desweiteren müssen durch die ständigen wechselnden Witterungsbedingungen (Alpen bis Südgriechenland) enorme Temperaturunterschiede durch mein Thermoregulationssystem ständig und fast einen Monat lang ausgeglichen werden.
  3. Außerdem werden zwangsläufig Versorgungsengpässe und -defizite durch das Laufen auftauchen, denen der Körper gewachsen bzw. dafür vorbereitet sein muss.

Aufgrund dieser Kombination der beschriebenen Anforderungen die sich im Wechelspiel gegenseitig noch extrem verschärfen können, muss ich auf den beschriebenen Trainingsjoker zurückgreifen können.

 

Natürlich sind diese Trainingsformen in diesem Umfang nicht empfehlenswert, aber trotzdem ergeben sich in der richtig abgeschwächten und abgewandelten Form durchaus neue vorbeugende gesundheitliche Aspekte und Varianten, die auch aus evolutionsmedizinischen Gesichtspunkten gesundheitlich sehr förderlich sind. Diese abgestimmten individuell richtig angepassten Ausdaueraspekte gilt es zu identifizieren, aufzubereiten und durchzuführen.