Zum Start hört es auf zu regnen

Obersulm - Der jüngste Teilnehmer ist vier Jahre alt, der älteste über 60. Die Startgruppe ist wie immer bunt gemischt. Groß oder klein, behindert oder nicht behindert, Lehrer, Schüler, Betreuer und professionelle Sportler: Über 300 Teilnehmer machen beim ersten Teil der Strecke von der Affaltracher Grundschule bis zum Paul-Distelbarth-Gymnasium mit. Der Auftakt für den elften Lichtensterner Marathon. Lichtenstern-Mitarbeiter und Ultramarathonläufer Jürgen Mennel ist zurzeit wie jedes Jahr mit Bewohnern der Einrichtung von Obersulm bis zum Schwäbisch Haller Rathaus unterwegs: zu Fuß.

Dabei sieht es am Anfang gar nicht gut aus. Strömender Regen trübt die Freude bei Grundschulleiter Peter Dossow. Zum ersten Mal sollten alle 260 Schüler mitmachen, erzählt er. „Bei dem Wetter können wir die Erstklässler nicht laufen lassen, die haben nachher noch Unterricht“, sorgt sich Dossow um die Gesundheit der Kleinsten. Umsonst. Pünktlich zum Start hört es auf zu regnen. Gemeinsam zählen alle Teilnehmer von zehn runter. Die Masse setzt sich freudig in Bewegung, um gleich wieder ins Stocken zu geraten. Der Ausgang ist schmal, und die Läufer müssen sich an den Schranken vorbei schlängeln. Und schon geht es weiter.

Gesundheit Naturverbundenheit und der Gesundheitsaspekt spielen beim Marathon eine wichtige Rolle, erklärt Mennel. „Die Bewohner werden auch immer älter. Die sportliche Aktivität soll sich in den Alltag übertragen“, sagt der Marathonläufer.

Die Teilnehmer mit Behinderung sind überwiegend keine Neulinge. Es gibt eine feste Gruppe, die oft trainiert. Unter ihnen Klaus Schirmer und Paula Huber. Sie machen jedes Jahr mit. „Weil wir viel Spaß dabei haben“, erzählen der 58-Jährige und seine Freundin. Dass es anfangs regnet, finden beide nicht so toll. „Aber es wird sicher aufhören“, hofft die 62-jährige Huber und behält recht. Vor den vielen Kilometern nach Schwäbisch Hall haben Daniel Dian, Michael Hermann und Sebastian Aichert keine Angst. Sie haben sich gut auf die Herausforderung vorbereitet. Aber sie starten gemütlich. „Wir haben noch ein Stück vor uns, da müssen wir nicht gleich volles Tempo laufen“, sagt Hermann. Corinna Rossel ist mit dem Rollstuhl unterwegs. „Das klappt schon“, macht sie sich keine Sorgen. Schließlich ist sie nicht zum ersten Mal dabei.

Der Hof des Paul-Distelbarth-Gymnasiums ist schnell erreicht. Hier wartet eine kleine Stärkung auf alle fleißigen Läufer. Die Schülerinnen Paula und Katharina sind zufrieden. Der Lauf war okay, und auch mit den Behinderten haben sie keine Berührungsängste. „Eigentlich ist das ganz normal“, erzählen die Mädchen aus Waldbach und Rappach, die täglich in der S-Bahn Behinderte aus einer Außenwohngruppe treffen.

„Anstrengend, aber gut“, ist das Fazit von Fabian. Der Vierjährige hat sich mit seiner Kindergartengruppe vorbereitet. Vater Jochen Dicht macht auch mit. Der Hauptamtsleiter und ein paar Mitarbeiter aus dem Rathaus sind jedes Jahr dabei. Dieses Mal sind sie besonders froh, sich nach dem langen Auszählen der Kommunalwahlen körperlich zu betätigen.

Unterstützung Die Fußballmannschaft vom Friedenshort Cappelrain aus Öhringen ist zum ersten Mal dabei. „Wir wollten Jürgen Mennel und die Gruppe beim Start unterstützen“, sagt Betreuer Branimir Vranjes, der früher selbst in Lichtenstern gearbeitet hat.