Tage 18 bis 21

11.10.10

Von: Jürgen Mennel

Nach dem Erreichen der 1500 km Marke stand als naechstes grosses Ziel die Hafenstadt Brindisi an. So schnell wie moeglich, am Besten noch freitagabends, wollte ich die Faehre nach Igoumenitsa erreichen. Trotz Motivationsproblemen, aber dank einer lockeren, inzwischen angepassten Muskulatur, konnte ich an diesem Tag gute Tempoeinheiten durchfuehren. So erreichten wir Brindisi, 1630 km von Heilbronn entfernt. In Hafennaehe gab es einen gefaehrlichen Zwischenfall mit dubiosen Gestalten, der boese haette enden koennen ( genaueres spaeter ). Die eindrucksvolle Ueberfahrt nach Igoumenitsa nutzte ich zu Regenerationszwecken.
Beim Verlassen der Faehre, frueh am Samstagmorgen, mit den ersten Schritten auf griechischem Boden, witterte ich erstmals ganz konkret die realistische Chance, das Athenprojekt erfolgreich realisieren zu koennen. Damit keine Muedigkeit und kein Rhythmusverlust aufkommen konnte, war mir klar, dass ich sofort den roten Faden wiederaufnehmen musste. Vorsichtig, locker anlaufen, konnte ich mich immer mehr steigern. Die Muskulatur ermuedete nicht und so konnte ich an diesem Tag an der Kueste von Igoumemitsa die 100 km Tagesmarke erreichen.
So gut der Samstag war, so muehevoll war der Sonntag. Es ging in Richtung Astakos, an der Kueste entlang. Am Morgen ging alles noch glatt, ab mittags jedoch wurde es abwechselnd heiss, wenn die Sonne da war oder kuehl, wenn die Sonne weg war und ein starker Wind aufkam. Diese Wetterkonstellation war tueckisch und mein Waermehaushalt wechselte ueber Stunden zwischen Schutz und Froesteln. Trotz hoher Wachsamkeit, Atemtechnik, idealer Fluessigkeits-und Nahrungsaufnahme, konnte ich nicht verhindern, dass ein Gefuehl des heiss-kalten Zustandes, ein Fiebergefuehl, in mir hochstieg. Erschoepft und aengstlich, ob des moeglichen Fiebers, verbrachte ich Stunden mit langen Ruhepausen. An diesem Tag waren nur 40 km moeglich und abends musste ich nochmals auf die Laufstrecke, um Kilometer nachzuholen.
Von Astakos ging es nach Mesolongi. Wir bewegten uns durch sehr laendliches Griechenland. Immer wieder Schweine, Kuehe, Schafe und Ziegen auf der Strasse. Wir verloren die Orientierung und ich lief im Kreis. Trotzdem konnte ich, zwar langsam aber im gleichmaessigen Tempo, diese Etappe laufen.