Gesund Arbeiten!

Angesichts eines historisch geringen Krankenfehlstandes von etwa vier Prozent der Tarifarbeitszeit kommt zuweilen die Frage auf, ob die Gesundheit wirklich ein bedeutsames Thema in deutschen Unternehmen darstellt? Um diese Frage sinnvoll beantworten zu können, müssen wir zunächst klären, was wir unter Gesundheit verstehen. Anschließend ist zu überlegen, wie wir Gesundheit im erstrebenswerten Sinne beeinflussen können.

Gesundheit bedeutet letztlich, das Menschsein zu verwirklichen. Gesundheit schließt eine ausgeglichene Persönlichkeitsentwicklung und eine Erweiterung der inneren Freiheit ein, indem sich der Mensch seiner selbst bewusst wird.

Paradoxer Weise sprechen wir meist dann über Gesundheit, wenn ihr Verlust infolge Krankheit droht. Der Krankenstatistik zufolge wird etwa jede dritte Erkrankung durch ungünstige Arbeitsbedingungen verursacht. Hier fällt insbesondere die Bewegungsarmut im Büro auf: Langes Sitzen belastet den Bewegungs- und Stützapparat erheblich. Die Gelenkknorpel und Bandscheiben der Wirbelsäule benötigen für ihre Ernährung einen regelmäßigen Wechsel von Druck und Entlastung. Einseitiger Druck auf die Bandscheiben behindert aber selbst bei bequemem Sitzen die Versorgung des Knorpelgewebes und kann so zu Abnutzungseffekten führen. Zudem sind schmerzhafte Muskelverspannungen nicht auszuschließen. Eine ungünstige Arbeitsplatzgestaltung begünstigt Zwangshaltungen und engt den Bewegungsfreiraum ein. Vor allem einseitige, wiederholende Tätigkeiten wie die Dateneingabe führen oft zu chronischen Handgelenksund Rückenbeschwerden.

Das bedeutet im Umkehrschluss: arbeitsbedingte Erkrankungen lassen sich durch vorbeugende Maßnahmen zumindest teilweise vermeiden. Neben verringertem Leid trägt dies zu einer verbesserten Lebensqualität und Fitness bei.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bewegen sich weltweit bis zu 80 Prozent der Menschen zu wenig. So empfiehlt die WHO eine körperliche Aktivität von mindestens 30 Minuten täglich. Hierzu zählen zum Beispiel Laufen, schnelles Gehen, Schwimmen, Radfahren und ähnliche körperliche Betätigungen, die sich sinnvoll in den Arbeitsalltag integrieren lassen. 10.000 Schritte am Tag sind ein wissenschaftlich belegtes Maß für ein Mehr an Gesundheit. Regelmäßige körperliche Betätigung kann die Gesundheit fördern und das Krankheitsrisiko vermindern.

Bewegung ist weit mehr als körperliche Ertüchtigung. Sie stärkt die psychische Gesundheit und die Ausgewogenheit. Regelmäßige Bewegung macht widerstandsfähiger, um die stressigen Herausforderungen des beruflichen Alltags besser bewältigen zu können. Um nachhaltige Erfolge durch einen gesunden, bewegungsreichen Lebensstil zu erzielen, bedarf es jedoch eines starken Durchhaltevermögens – so wie es auch manche berufliche Herausforderung erfordert.

Es wird deutlich: Gesundheit durch Bewegung schafft eine Grundlage für ein ausgeglichenes, erfolgreiches Arbeiten, für Kreativität, Arbeitsfreude und Produktivität. Bewegungsförderung ist ein zentraler Baustein für ein umfassendes betriebliches Gesundheitsmanagement.

Jürgen Mennel nimmt Ihre Fragen zur Bewegung im Arbeitsalltag und zum betrieblichen Gesundheitsmanagement gerne auf und leitet Sie bei Bedarf gerne an eine kompetente Stelle weiter.

Autor

Dr.-Ing. Martin Braun
Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation
Nobelstraße 12
70569 Stuttgart

E-Mail: martin.braun(at)iao.fraunhofer.de

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