Teil 1: Schützt ein körperlich aktiver Lebensstil vor Krebs?

Krebs zählt neben den Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems zu den häufigsten Todesursachen in den westlichen Industrienationen. In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 400.000 Menschen neu an Krebs. Im gleichen Zeitraum sterben rund 200.000 Patienten mit einer entsprechenden Diagnose. Neben genetischen Ursachen besteht mittlerweile kein Zweifel mehr, dass auch sogenannte „Lebensstilfaktoren“ wesentlich darüber entscheiden, ob das Risiko an einer bestimmten Krebsform zu erkranken steigt oder sinkt.

Ein aktiver Lebensstil beugt Krebs vor

Unter Lebensstilfaktoren versteht man dabei Verhaltensweisen die aus gesundheitlicher Perspektive von Bedeutung sind. Im Zusammenhang mit Krebs ist das wohl prominenteste Beispiel das regelmäßige Rauchen. Zahlreiche Studien zeigen hier einen eindeutigen Zusammenhang mit der Entstehung von Lungenkrebs. Bezogen auf den Lungenkrebs, aber auch mit Blick auf die zahlreichen anderen Erkrankungen, spielen jedoch auch andere „Faktoren“ wie beispielsweise eine gesunde Ernährung oder ein ausreichendes Maß an körperlicher Aktivität bei der Entstehung von Krebs eine wesentliche Rolle.

Auch Studien fordern mehr Bewegung

Bezogen auf die körperliche Aktivität gibt es schon seit längerem Hinweise, dass sportlich Aktivere ein geringes Risiko haben an Krebs zu erkranken. Eine der ersten Studien zu diesem Thema wurde dabei bereits während der 80er Jahre in den USA durchgeführt. Dort verglichen Forscher Menschen, die körperlich schwer arbeiteten mit Menschen, die während ihrer Arbeit saßen oder sich nur sehr wenig bewegten. Sie fanden heraus, dass die Inaktiven gegenüber den Aktiven ein 60% höheres Risiko hatten an Darmkrebs zu erkranken. Auf diese Beobachtung folgten zahlreiche (hunderte!) weitere Studien, die heute eindeutig belegen, dass ein körperliche aktiver Lebensstils ein schützender Faktor im Hinblick auf die Entwicklung zahlreicher Krebserkrankungen ist. So kommt der World Cancer Research Fund (WCRF) in seinem Jahresbericht 2007 zu dem Schluss, dass diese Erkenntnis für die Erkrankungen Brust- (nach der Menopause), Darm- und Gebärmutterkrebs als gesichert angenommen werden kann.

Die Zahlen lügen nicht

Studienzusammenfassende Analysen, sogenannte Metaanalysen, beziffern die mögliche Risikoreduktion in punkto Darmkrebs dabei auf rund 30% beziehungsweise cirka 20-25% bei Brust-/Gebärmutterkrebs. Für Lungen-, Bauchspeicheldrüsen- und Brustkrebs (vor der Menopause) wird ein schützender Effekt von körperlicher Aktivität vermutet. Andere Erkrankungen wurden bisher von zu wenigen Studien untersucht, so dass diesbezüglich keine wissenschaftlich fundierten Aussagen getroffen werden können.

Bewegung lohnt sich

Aus individueller Perspektive gesehen, geben diese Resultate eindeutige Hinweise für die Senkung des persönlichen Krebsrisikos: Bleiben Sie fit und treiben Sie regelmäßig Sport. Von der wissenschaftlichen Ebene betrachtet, stellen diese Beobachtungsstudien jedoch nur den ersten, wenn auch sehr wichtigen, Schritt dar. Ungeklärt ist beispielsweise noch die spannende Frage, wie Bewegung oder Sport einen solch positiven Einfluss auf die Entstehung einer Krebserkrankung haben kann. Um hierauf eine Antwort zu finden wurden und werden derzeit zahlreiche wissenschaftliche Projekte angestoßen.

Neueste Forschungsergebnisse

Die ersten Ergebnisse diesbezüglich lauten: Vermutlich ist der positive Einfluss von Sport auf die  Körperzusammensetzung (Fettmasse vs. fettfreie Masse), mit Blick auf den Hormonhaushalt und auf  Entzündungsmechanismen ausschlaggebend. Erste Studien diskutieren derzeit auch den positiven Einfluss auf DNA Reparaturmechanismen. Inwieweit das Immunsystem eine Rolle spielt ist unklar. Im Bereich von Darmkrebs gilt die durch Bewegung/Sport verursachte schnellere Darmpassage zusätzlich als ein wesentlicher Schutzfaktor. Denn durch die kürzere Kontaktzeit mit der Darmwand haben potentiell krebserregende Stoffe und Substanzen nicht lange genug die Möglichkeit ihr gefährliches krebsförderndes Potential zu entfalten. Zukünftig werden die Forscher hier immer präzisere Antworten geben können.

Sport auch für Krebspatienten?

Neben diesen eindrücklichen Daten aus der Präventionsforschung mit Blick auf eine mögliche Ersterkrankung existieren seit einigen Jahren auch erste Beobachtungen, die bereits erkrankte Krebspatienten hinsichtlich ihrer körperlichen Aktivität nach erfolgter Therapie untersuchten. Auch diese Ergebnisse sind beeindruckend. So konnte im Rahmen einer großen nordamerikanischen Studie (U.S. Nurses Health Study) an 2987 Brustkrebspatientinnen gezeigt werden, dass zusätzliche moderate körperliche Aktivität von cirka 3-5 Stunden pro Woche (im Vergleich mit inaktiven Frauen!) das Risiko an Krebs zu sterben um die Hälfte senken kann.

Sportliche deutlich im Vorteil

Andere Studien zeigen, dass es dabei von Vorteil zu sein scheint, wenn die Patientinnen bereits vor der Diagnose körperlich aktiv gewesen sind und dies auch nach der Therapie bleiben. Hier sinkt das Risiko auf 67%. Aber auch der Beginn eines körperlich aktiven Lebensstils zum Zeitpunkt der Diagnosestellung, senkt laut Studien immer noch die Sterbewahrscheinlichkeit um 45%. Ähnliche Ergebnisse lassen sich auch bei behandelten Darmkrebspatienten finden. Hier zeigen Studien von amerikanischen und australischen Forschergruppen unabhängig voneinander Risikoreduktionen um 50% und zum Teil auch mehr.

Neue Studien dringend nötig

Auch für diese Studien gilt, es muss immer beachtet werden, dass es sich bei all diesen Ergebnissen „nur“ um beobachtende Studien handelt. Ergebnisse zu Studien, die die Aufnahme eines gezielten körperlichen Trainings über eine bestimmte Zeit bei Krebspatienten mit Blick auf die Überlebenswahrscheinlichkeit untersuchen, liegen derzeit nicht vor!

Fazit und Ausblick

Zusammenfassend lässt sich nichtsdestotrotz sagen, dass der Mangel an körperlicher Aktivität als unabhängiger Risikofaktor für die Entwicklung von verschiedenen Krebserkrankungen angesehen werden muss. Ein aktiver Lebensstil kann dabei das Risiko verringern, überhaupt an Krebs zu erkranken sowie vermutlich auch zu einer Senkung der Rückfallrate und des Sterberisikos nach einer Diagnose führen. Dies gilt insbesondere für die zahlenmäßig häufigen Krebserkrankungen der Brust und des Darms. Welche Ergebnisse bislang im Bereich der Interventionsstudien vorliegen, wird im zweiten Teil dieser Serie berichtet.

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